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Thoma Voglars Le-Mans-TR 2 zurück in Le Mans

Thomas Voglar brachte den Werks-TR 2 PKV 376 wieder zurück nach Le Mans

PKV 376 im Le-MMans-Paddock in guter Gesellschaft: neben ihm 927 HP, der Le-Mans-TRS von 1961 mit "Sabrina"-Doppelnockenwellen-Motor.

Der TR 2 "PKV 376" war einer der erfolgreichen Werks-TR bei den 24 Stunden von Le Mans 1955. Jetzt kehrte er an den Ort des Geschehens zurück. Sein Besitzer - unser Clubmitglied Thomas Voglar – pilotierte ihn bei der diesjährigen Le-Mans-Classic. Ossi Posch erzählt die Geschichte dieses interessanten Autos.

Thomas Voglar war heuer bei der Le Mans-Classic in den Heritage Club eingeladen, ist eine Demo-Runde gefahren und hat dabei den Entschluss gefasst, 2020 das ganze Rennen zu fahren  - jedoch nicht mit dem Original-Motor, sondern mit einem Ersatzmotor und anderem Getriebe. Er wurde von der international hochkarätigen Jury  für den gelungenen Wiederaufbau gelobt und wird am vorletzten Septemberwochenende in Berchtesgaden den ersten privaten Besitzer von PKV 376, Malcolm Hurst, einen über-90-jähriger Dentist aus England, treffen, dessen grosser Wunsch es ist, noch einmal mit seinem ersten Auto zu fahren.

Doch, wie war das damals mit den TR? Wie kamen die nach Le Mans?

Die Geschichte der TR, der "Triumph Roadster", ist untrennbar mit dem Motorsport verbunden. Schon die 1952 erfolgte Verpflichtung des B.R.M.-Formel-1-Testfahrers Ken Richardson zur Weiterentwicklung des 20-TS-Prototyps zum ersten TR 2 zeigte an, wohin die Reise gehen sollte – Motorsport war die Devise, unter der sich die TR in Zukunft verkaufen sollten. Und kaum ein Jahr später zeigte Richardson erstmalig mit einem TR sportlich auf: Er fuhr – mit dem zweiten, jemals gebauten TR 2 – auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke von Jabbeke, einem schnurgeraden Autobahnstück in Westflandern (Belgien), mit dem nur wenig veränderten Wagen (Metall-Tonneau, Spats, verkleideter Unterboden) mehr als 200 Stundenkilometer schnell - damals für einen 2-Liter-Wagen sensationell.

1954 folgte dann die Gründung der Triumph-Rennabteilung, die (bis 1961 unter der Führung von Richardson) die Renn- und Rallye-Einsätze der TR 2, TR 3 und TR 3A sowie zusätzlich die Entwicklung und den Einsatz der Le-Mans-Rennwagen, zuerst der TR 2, dann der TR 3S, und schließlich des TRS-Twin-Cam (Sabrina), vorantreiben sollte. Schon der erste offizielle Einsatz eines Werkswagens unterstrich die Leistungsfähigkeit der TR: Bei der Mille Miglia 1954 pilotierten Ken Richardson und Maurice „Maus“ Gatsonides einen TR2 (OVC 276,StartNr. 528) mit einem Schnitt (!) von mehr als 117 km/h über die 1.600 Kilometer lange Strecke auf einen hervorragenden 27. Gesamtrang; angesichts der damaligen Straßenverhältnisse eine sensationelle Leistung für ein seriennahes Auto.

Und die Erfolgsserie setzte sich fort: 1955 setzte Richardson in Le Mans drei Werks-TR2 ein: PKV 374, PKV 375 - und eben PKV 376, der heuer nach Le Mans zurückgekehrt ist. Richardson nutzte den Langstreckenklassiker zur technischen Weiterentwicklung und setzte bei allen 3 Autos die damals als Innovation geltenden Scheibenbremsen ein, während die meisten Serienautos noch mit Backenbremsen an allen 4 Rädern ausgestattet waren. Für den Test wurden verschiedene Konfigurationen gewählt: In PKV 374 und PKV 375 wurden Girling-Scheibenbremsen vorne und Trommelbremsen hinten in unterschiedlichen Größen eingebaut und in PKV 376 Dunlop-Scheibenbremsen an allen 4 Rädern, kombiniert mit einem Lockheed-Bremskraftverstärker. Der Test gelang und im Jahr darauf war der im Oktober 1955 (TS 8637) gelaunchte TR-2-Nachfolger "TR 3" ab September 1956 (TS 13046) weltweit das erste Serienfahrzeug, das standardmäßig mit Scheibenbremsen ausgerüstet war.

Auch der motorsportliche Erfolg war herausragend: Alle 3 Werkswagen beendeten nicht nur das Rennen, sondern erreichten auch ausgezeichnete Platzierungen:

+ PKV 376 (Startnr.: 28) mit Robert 'Bob' Dickson und Ninian Sanderson am Steuer legte 242 Runden und 3.263 Kilometer zurück und belegte Gesamtplatz 14.

+ PKV 375 (Startnr.: 29), pilotiert von Geoff Richardson und Bert Hadley, erreichte ebenfalls 242 Runden und 3.263 Km, was Gesamtrang 15 ergab.

+ Und PKV 374 (Startnr.: 68) – gesteuert von Leslie Brooke und Mortimer Morris-Goodall - fuhr 214 Runden und  2.885 Km und kam auf den 19. Platz im Gesamtklassement.

Die Wagen wurden noch bei einigen Rennen eingesetzt, dann aber, wie damals vielfach üblich, zurückgebaut und verkauft. Auch PKV 376 verschwindet in der Historie…

Heute weiß man, dass das Auto Anfang der 1960er-Jahre irgendwie zu einem Händler nach Biel in die Schweiz gekommen war. Dort kaufte es ein in Deutschland stationierter GI und nahm es mit nach Hause, nach Iowa. Jahrzehnte später, 2002, kaufte dann Thomas Voglar in den USA einen TR 2 und – als Beigabe - auch ein “Teileauto”. Allerdings – gewisse Details dieses "Teileautos" (extrem großer Tankeinfüllstutzen, zweigeteilter Getriebetunnel etc.) erregten Voglars besonderes Interesse. Und eine Anfrage beim British-Motor-Industry-Heritage-Trust ergab, dass es sich bei dem "Teileauto" um ein ganz besonderes Exemplar handeln dürfte: “This vehicle is recorded as being an Experimental competition car", hieß es, was aber angesichts der Tatsache, dass die Werksaufzeichnungen aus der Richardson-Ära bei einem Umzug der Rennabteilung verlorengegangen waren, noch nichts über die Seltenheit  des Autos aussagte. Erst viele Telefonate später mit dem englischen TR Register (Mike Ellis) und anderen Sachkundigen konnte dann der Wagen aufgrund seiner ID-Plates endgültig identifiziert werden: es ist PKV 376, der Le-Mans-Renner der 50er-Jahre. Eine umfangreiche Restaurierung folgte, bei der der originale Motor zu neuem Leben erweckt wurde. Die “Brüder Evans” von North Devon Metalcraft (www.ndmetal.co.uk) restaurierten unter Zuhilfenahme der Alt-Teile die Karosserie, während CTM Engineering (www.ctmengineering.co.uk) ein neues Chassis anfertigte. Auch die Dunlop-Bremsanlage, die damals für Le Mans eingebaut war, wurde mühsam rekonstruiert. 2009 folgte dann das roll-out. Heute ist PKV 376 gern gesehener Gast bei den großen Classic-Events unserer Tage – wie eben in Le Mans.

 
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