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Wie Triumph zu Design-Genie Michelotti kam

Giovanni Michelotti war ein Design-Genie. Insgesamt designte er mehr als 1.200 Autos und von 1957 bis 1976 für Triumph (Standard-Triumph, Leyland, BLMC) 39 verschiedene Fahrzeuge. © archiviostoricomichelotti.it

Auch der 1958 auf TR3-Basis entstandene "Italia 2000" des Triumph-Importeurs Ruffino stammt von ihm. Er weist bereits Designelemente des TR4 auf. Dieses Exemplar (VIN:TS63.886LCO) ist die Nr.54 von ca. 320 gebauten. © zVg

Sein einziger TR-Entwurf, der realisiert wurde, war der TR4. Er war kultivierter als die urigen Tr2 und TR 3, und entsprach damit mehr dem Zeitgeist der 1960er-Jahre.

Und so hätte der TR-4-Nachfolger aussehen können: Michelotti-Entwurf für den TR5. Er wurde als “Fury” zum fahrfertigen Prototypen und existiert noch heute. (© archiviostoricomichelotti.it)

Vor 40 Jahren, im Jahr 1980, starb Giovanni Michelotti – ein Design-Genie seiner Zeit. Er war fast 20 Jahre für Triumph tätig. Wie er und Triumph zusammenfanden erzählt Ossi Posch.

Begonnen hat alles mit dem "Frisky", einem Kleinwagen, den die Brüder Raymond und Neville Flowers (Cairo Motor Co Ltd., Ägypten) in den 1950ern gemeinsam mit dem Motorenhersteller Meadows bauen wollten. Zwecks Lieferung von Teilen verhandelten sie 1957 auch mit Triumph und unterstrichen den Ernst ihres Anliegens mit dem Hinweis, dass sie bereits einen Lieferanten hätten, der in nur 3 Monaten einen fahrfertigen Prototyp liefern könnte – und das um nur 3.000 Pfund.

Obwohl diese Aussage bei den Triumph-Bossen nur ein müdes Lächeln hervorrief, wollte man nicht unhöflich sein und forderte die Flowers-Brüder auf, vor Vertragsabschluss den Beweis für ihre Behauptung anzutreten und bei ihrem mysteriösen Lieferanten ein Auto zu ordern; ein Chassis werde beigestellt.

Und das Unglaubliche geschah: noch vor Ende der 3 Monate rollte bei Standard-Triumph in Coventry ein GONDRAND-Transporter auf den Hof. Seine Ladung: ein attraktiver, fahrfertiger Prototyp.

Die Triumph-Leute waren perplex und wollten nun unbedingt wissen, wer der Schöpfer des Autos ist, dies umso mehr, als sie zu dieser Zeit selbst keinen Designer hatten (Chef-Stylist Walter Belgrove hatte Ende 1955 nach einem Streit mit deputy-manager Ted Grinham hingeworfen).

Außerdem bastelten sie schon seit einiger Zeit erfolglos am Standard-Eight-Nachfolger "Triumph Herald" herum. Chief engineer Harry Webster: "What we finished up with was a mechanical bathtub on wheels!" 

Aber die Flowers-Brüder schwiegen eisern. Jetzt war der arme Lorry-Driver dran. Mit einem guten Mittagessen und ein paar Drinks wurde er "motiviert", seinen pick-up-point preiszugeben: Vignale in Turin. Webster und product manager Tustin reisten daraufhin zu Alfredo Vignale und lernten dort auch den Urheber des Autos kennen – Giovanni Michelotti; damals für 90 % der Entwürfe von Vignale verantwortlich.

Noch im Sommer `57 wurde er als Designer verpflichtet und stellte sofort sein außergewöhnliches Talent unter Beweis. Bei einem Besuch von Webster in Turin "entwarf er in drei oder vier Minuten das Design des Triumph Herald" (Zitat Webster). Sein nächstes Projekt war dann schon ein TR: der sehr erfolgreiche TR4.

 

 
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