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Wie das mit dem Traktor-Motor wirklich war

Dieses schöne Auto kann doch keinen Traktormotor haben! Hat es auch nicht, denn schon bei der Entwicklung der TRs war klar, dass diese den neuen „wet-liner“-Motor des „Vanguard“ (reduziert auf 1.991 ccm) bekommen würden.

Anderer Block, Kopf und Ventile beim Traktor. © Andy Dingley/cc by-sa 3.0

90 PS beim TR 2-Motor und 28 PS beim Traktor bezeugen eindrucksvoll den technologischen Unterschied. © TR2-Motor Thomas Voglar

Die 6-Zylinder-TR wie TR 5, TR 250 und TR 6 allerdings erhielten eine anderen Motor, als die TR 2- bis TR 4-Serie und zwar den verlängerten und Hub-erhöhten des Standard Eight. © TR-6-Motor Peter Windholz

Traktormotor? Schon der zweite Serien-TR 2 fuhr 1953 in Jabbeke 200 km/h!

Hartnäckig hält sich das Gerücht, wonach die Vierzylinder-TR der Baureihe Triumph TR 2 bis TR 4A in Wahrheit von einem Traktor-Motor befeuert würden. Dass dem nicht so ist, beschreibt Ossi Posch.

Die Story beginnt im Zweiten Weltkrieg in Coventry. Dort wird im Herbst 1940 durch 515 deutsche Bomber und 500 Tonnen Spreng- und 36.000 Brandbomben unter anderem das Triumph-Werk zwischen Clay Lane und Briton Road, das seit dem Triumph-Bankrott im Jahr 1939 dem Stahlkonzern Thos. Ward Ltd. gehört, fast zur Gänze zerstört. Bemühungen des ehemaligen Triumph-Managers Donald Healey, die Autoproduktion wiederzubeleben, lehnt die Ward Ltd. im Februar 1944 ab - das Ende von Triumph scheint besiegelt. Da aber kommt Konkurrent „STANDARD“ ins Spiel. Er will das gute Image des Namens „TRIUMPH“ für künftige Produktionen nutzen und kauft Ward im November `44 die Reste von Triumph ab.

Der Kauf löst aber nicht das größte Problem, das Standard damals hatte, die „Shadow Factory“ in der Banner Lane. Sie war – wie andere „Schattenfabriken“ auch - von der Airforce errichtet worden, um die Nähe zur Automobilindustrie zu nutzen; in Coventry gab es fünf davon. In der Banner Lane waren, nebst anderem Kriegsmaterial, Hercules-Triebwerke erzeugt worden, aber jetzt, am Ende des Krieges, brauchte man dringend neue Produktionen, um sie zu füllen.

Da kam Standard-Triumph-Chef Sir John Black der Umstand zuhilfe, dass der irische Traktorenfabrikant Henry George „Harry“ Ferguson nach Patentstreitigkeiten mit Ford-USA wieder „back to Britain“ wollte. Man wird handelseins, und ab Juli 1946 laufen in der Banner Lane die ersten Traktore vom Band – mit einem Z-120-Motor der Continental Motors Company in Detroit, Michigan.                                           

 

Der neue „wet-liner“ wird entwickelt

Sir John Black wollte aber auch wieder die Autoproduktion ankurbeln und ließ daher parallel zur Traktor-Produktion an einem neuen Wagen arbeiten – dem amerikanisch gestylten „Standard Vanguard“. Für diesen wurde auch ein neuer Motor konstruiert, ein „wet-liner“, der sich, wie sein Konstrukteur Harry Webster betonte, in seiner Grundkonzeption an einen Citroen-Motor der 1930er-Jahre anlehnte und durch seine „nassen“ Laufbüchsen Servicefreundlichkeit versprach. Diesem Prinzip entsprechend wurden dann in der Banner Lane auf getrennten Montagelinien zwei verschiedene Motore produziert. Einer für den im Sommer 1947 präsentierten Vanguard-PKW und - nach 48.000 Stück mit Continental-Motor - einer für den Traktor.

Die Motore unterschieden sich massiv, wie ex-Triumph-Motorsportchef Graham Robson in „The Book of the Standard Motor Company“ schreibt. Der Traktor-Motor war „quite radically different from that fitted to the cars“. Und Ian Cornish beschrieb 2011 in „TR-Action“ diese „radikalen“ Unterschiede: Kopf, Block, Kurbelgehäuse, Ventilgröße etc. waren beim Traktor wesentlich anders.

Damit ist klar: der Motor der TR baut eindeutig auf dem für den Vanguard auf. Das bestätigt auch Robson in seinem Buch „Die Triumph TRs“: „Der Motor war ein leicht verändertes Standard-Vanguard Triebwerk…“       

 

 
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